Rosenrot:

Es war einmal eine große, rote Rose.
Sie wuchs am Rande eines Gartens und obwohl sie noch nicht ausgewachsen war,
war sie jetzt schon schöner und prächtiger als alle anderen Blume im Garten.
Der Gärtner und Besitzer war ein etwas älterer Herr,
der sehr pingelig mit seinem Garten war und alles musste an Ort und Stelle stehen,
immer so, wie er es wollte.

Als er eines Tages nun in den Garten ging, da sah er natürlich die prächtig,
rote Rose und beschloss sie seiner Frau zu schenken, doch wollte er warten,
bis sie vollkommen ausgewachsen war, da sie ihre schönsten Blüten noch bekommen würde.

In dieser Zeit wuchs auf der anderen Seite eine weiße Rose.
Sie war recht klein und auch nicht so prächtig und doch hatte sie eine reine Ausstrahlung.
Von weitem beobachtete sie die rote Rose schon länger und beschloss bei
der nächsten Vollmondnacht hinüberzugehen.
Die rote Rose hatte durch ihre Größe einen guten Überblick und
hatte wiederum die weiße Rose gesehen und fand sie wunderbar.
Auch sie beschloss in der nächsten Vollmondnacht hinüberzugehen.

So kam es, dass sich die beiden Rosen in der warmen Sommernacht in der Mitte des Gartens
trafen, wo sich sich eng umschlangen; Sie wollten sich garnicht lösen,
sondern betrachteten verträumt das Sternenzelt, dass so klar und schön schien wie nie.
So standen sie noch da, als der Gärtner am nächsten Morgen auf die Wiese trat,
um die rote Rose endlich zu pflücken, doch als er die vereinten Blumen sah, sagte er sich:

"Nein, diese Blume darf ich nicht pflücken, denn sich Liebende darf man nicht trennen!"